Geschichte von Ingersheim

Sagen


der Spinnerinstein

Spinnerinstein

Eine Frau aus Kleiningersheim war bei der Lichtkarz (Spinnstube) in Hessigheim. Es war lustig, man sang und erzählte, es wurde immer später. Als die Frau aufbrechen wollte, war es schon weit nach elf Uhr, einige andere Frauen boten ihr ein Nachtlager an, weil es zu spät für den Heimweg durch den Wald sei. Die Frau lachte nur und sagte:  „Der Teufel soll mich holen, wenn ich nicht vor Mitternacht aus dem Wald bin.“

Dann machte sie sich auf den Weg. Sie eilte den Berg hinauf, hastete durch den Wald und wäre manchmal froh gewesen, sie wäre in Hessigheim geblieben – es war nicht geheuer im Wald. Da hörte sie von der Kleiningersheimer Kirche zwölf Glockenschläge...

Man fand nur aufgewühlten Boden und einen schwarzen Fleck an der Stelle, an der sie gestanden hatte!

Zur Erinnerung daran steht heute noch der Spinnerinstein im Wald zwischen Kleiningersheim und Hessigheim.

Das Pfaffenkreuz

Etwa zwei Kilometer nordöstlich des Bahnhofes Bietigheim, am äußersten Nordende des Brandholzes, noch eben auf Markung Großingersheim, steht am Fuße einer Eiche ein verwittertes, mit Flechten bewachsenes, aus Schilfsandstein gehauenes Kreuz. Das schlichte Denkmal ist als Pfaffenkreuz bekannt. Ebenso heißt die nordwärts angrenzende Flur. Der Sage nach habe an diesem Ort ein Geistlicher, ein Pfaffe, eine Untat vollbracht und soll sogleich gerichtet worden sein.

Das Holma'le

Die Hessigheimer hatten einst noch keine Brücke über den Neckar. Wenn sie nach Großingersheim wollten oder die Großingersheimer nach Hessigheim und an die Fuhrt am Neckar kamen, so mussten sie warten und dem Fährmann rufen: "Hol, hol über!" bis dieser es hörte, kam und sie mit dem Fahr (Fähre) übersetzte. Eines Abends lag der Fährmann schon im Bett. Da hörte er des öfteren "Hol, hol!" rufen. Er stand auf, nahm die Laterne zur Hand und ging an die Furt. Und immer rief es "Hol, hol!" Am anderen Ufer aber fand er ein kleines Männlein, das eiligst ins Fahr stieg. Auf der Überfahrt saß es schweigend da; aber das Fahr wurde unheimlich schwer, dass der Fährmann jeden Augenblick glaubte, es gehe unter. Plötzlich während der Fahrt war das Männlein verschwunden. Und an der Stelle, an der es gesessen hatte, lag ein Kreuzer, der leuchtete in der Nacht wie Feuer. Er nahm ihn in die Tasche. Als er nach Hause kam, und seine Frau ihn fragte, wer denn so spät noch habe überfahren wollen, da antwortete er: "Ich habe das Holma'le überführen müssen und habe dafür einen Kreuzer bekommen, der hat wie Feuer gefunkelt." Damit zog er den Kreuzer aus der Tasche und siehe, der Kreuzer war eitel Gold und hatte auch die anderen Kreuzer, die er vorher in der Tasche gehabt hatte, zu lauter Goldstücken verwandelt. Seitdem hat das Holma'le schon oft wieder "Hol, hol!" gerufen; der Fährmann hat aber nie wieder Lust gehabt, den Geist ins Fahr zu nehmen.

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