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Efeu

23.09.2022

Herbstlicher Lebensspender – Blühenden Efeu jetzt nicht beschneiden

Düsternis und Tod. Efeu hat nicht gerade den Ruf einer besonders „aufheiternden“ Pflanze, gedeiht er mit seinen dichten dunkelgrünen Blättern doch vor allem an schattigen Mauern und wuchert über Gräbern. Zur Zeit der alten Ägypter, Griechen und Römer dagegen war bei Efeu Party angesagt. Ob Osiris, Dionysos oder Bacchus – im Altertum galt Efeu durchweg als Symbol der fröhlich feiernden Götter und ihrer Gelage. Ebenso oft wie mit Weinlaub stellte man sie deshalb mit Efeu bekränzt dar.

Nun kann man aus den für den Menschen giftigen Efeufrüchten gewiss keine berauschenden Getränke brauen. Doch schon früh entdeckte man die medizinische Wirkung des Efeus, vor allem als Hustenlöser war er beliebt und wird er noch heute benutzt. Wie man seit kurzem weiß – Forscher der Uni Bonn fanden es heraus – wirkt das im aus Blättern gewonnenen Efeu-Extrakt enthaltene Alpha-Hederin auf unser Nervensystem. Dabei werden die Atemwege angeregt, schleimlösende Stoffe zu produzieren, und gleichzeitig kommt es zu einer Erweiterung der Bronchien.

Die Verbindung Grabbewuchs und Todessymbol beruht auf einem modernen Missverständnis. Vielmehr wurde Efeu ursprünglich wegen seiner immergrünen Blätter als Symbol des ewigen Lebens und der den Tod überwindenden ewigen Treue angepflanzt. In der Sage von Tristan und Isolde sollen sich die unglücklich Liebenden im Tod schließlich in Form zweier zusammenwachsender Efeupflanzen vereint haben.

Auch eine Umfrage unter Bienen, Wespen und Schmetterlingen würde dem Efeu sicher allerbeste Beliebtheitswerte bringen. Blüht die Kletterpflanze doch erst, wenn sonst nur noch wenige Nektarquellen zur Verfügung stehen; meist ab Ende August und dann bis in den November oder sogar Dezember hinein. Die in einer Halbkugel angeordneten, unscheinbar gelbgrünen Blüten sind völlig offen, so dass Besucher aller Art einen offen gedeckten Tisch vorfinden. Praktisch alles, was sechs Beine hat, kommt im Herbst hier vorbei, von Ameisen über Fliegen, Schwebfliegen aller Art, Wespen, Bienen und Falter. Selbst Marienkäfer weichen nun mangels Blattläusen gerne auf energiereichen Blütennektar um.

Für manche Insekten ist der Efeu-Nektar das letzte Gnadenbrot. Während Ameisen die kalte Jahreszeit unterirdisch verbringen und Marienkäfer ebenfalls Verstecke aufsuchen, überwintern bei den Faltenwespen nur die Königinnen. Die Männchen, ebenso wie alle Arbeiterinnen, sterben im Herbst.

Auch nach dem Verblühen ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle. Die im Winter blauschwarz heranreifenden Früchte werden vor allem von Staren, Amseln und anderen Drosseln gerne gefressen. Bis Efeu zur Blüte kommt, dauert es allerdings acht bis zehn Jahre.

Efeu kann mehr als 200 Jahre alt werden und über 20 Meter hoch klettern. Die in der Jugend langsam wachsende, später aber bis jährlich zwei Meter treibende Pflanze bildet zunächst ausschließlich Klettertriebe mit den typischen drei- bis fünflappigen Blättern aus. Erst im Alter bilden sich oben überhängende, kletterwurzelfreie Blütentriebe mit rundlichen Blättern. Efeu lässt sich mit Stecklingen einfach vermehren. Doch Achtung: Stecklinge aus Blütentrieben entwickeln niemals Kletterwurzeln, sie eigenen sich nur als Bodendecker. Efeu ist übrigens „lichtscheu“, das heißt, die Triebe wachsen zur vom Licht abgewandten Seite. Deshalb gedeiht er im Halbschatten und Schatten besser als in gleißender Sonne oder an strahlend hellen Wänden.