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ARCHIV: WIR - Bürger für Ingersheim

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DER NECKAR - Neckarausbau Fragen und Antworten

12.10.2016 – 20.10.2016

Die beiden Wählervereinigungen WIR-Bürger für Pleidelsheim und WIR-Bürger für Ingersheim haben gemeinsam mit Flur und Verkehr Pleidelsheim, Ingersheim, Freiberg e.V. am Montag, den 19.9.16 eine Vortragsreihe „Der NECKAR“ gestartet.

Ziel der Veranstaltungen soll die kritische Betrachtung der Nutzungsmöglichkeiten des Neckars sein: Naherholung, Verkehrs- und Transportweg, touristische Attraktion, Energiequelle aber auch Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt.

Thema des ersten Abends war „der Neckarausbau – Chance für den Verkehr“. Als Referent konnte Dipl. Ing. Klaus Michels, Leiter des Amtes für Neckarausbau Heidelberg gewonnen werden. Hier wie angekündigt, einige der Fragen und Antworten, die im Anschluss an den Vortrag diskutiert wurden:

 

(1) Warum ist die Binnenschifffahrt rückläufig, obwohl sie ökologisch und ökonomisch besser abschneidet gegenüber Straße und Schiene?

Das hat, wie die Fachleute erklärten, viele verschiedene Ursachen. Die Schiffe auf dem Neckar seien zu klein, die Mindestgröße sollte 105m betragen. Zwischen Mannheim und Heilbronn werden die Schleusen für 135 m Schiffe ausgebaut, um an die Rheinschifffahrt anknüpfen zu können. Für den Neckar zwischen Heilbronn und Plochingen wäre es natürlich optimal, ebenfalls für diese Schiffe gerüstet zu sein, allerdings bedarf es für diese weitergehende Planung noch des Beschlusses auf Bundesebene, d.h. hier wurden die ursprünglichen Planungen für die 105m Schiffe von den technischen Entwicklungen überholt.

Vor 30 Jahre hatte man noch angenommen, dass kleine 85m Schiffe für die Neckarschifffahrt ausreichend wären. Dieses Marktpotential wurde aber durch LKWs übernommen haben.

Auch wäre mangelnde Ausbildung der Logistiker zu nennen. Schwerpunktmäßig werde dort auf Straße und Schiene gesetzt. Und es gebe nur noch 3-4 kleine Reedereien, die als Familienbetriebe auf dem Neckar unterwegs seien.

 

(2) Warum fahren vermehrt holländische Schiffe auf dem Neckar?

Dies habe steuerliche Gründe, wussten die Referenten. So müsse ein deutscher Reeder, wenn er sein altes Schiff durch ein neues ersetze, den Verkaufserlös für sein altes Schiff als Gewinn versteuern, während der holländische Kollege den Wert seines alten Schiffes in das neue Schiff steuerfrei übertragen könne. Auch die Tatsache, dass man den Rhein kostenlos nutzen kann, während für die Neckarschifffahrt eine Maut verlangt werde, sei dem Transportgeschäft zu Wasser abträglich. Hier könnte die Politik Abhilfe schaffen.

 

(3) Veraltete Technik bei den Schiffsmotoren - warum?

Auch die Frage nach umweltfreundlicheren Schiffsmotoren wurde gestellt. Für Modernisierungen fehlen die Anreize. Auch hier ist die Politik gefragt.

 

(4) Sind neue Anlege- oder Verladestellen möglich?

Im Vortrag erwähnte Herr Michels die Tatsache, dass es entlang des Neckars ca. 30 private bzw. kommunale Anlegestellen oder Verladestationen gibt. Gefragt wurde, bezugnehmend auf ein aktuelles Beispiel vor Ort, ob es möglich wäre, den Steinbruch in Mundelsheim direkt an den Neckar anzubinden? Auf diese Weise könnten sowohl die Ortsdurchfahrten von Pleidelsheim, als auch die von Mundelsheim und von Hessigheim deutlich entlastet werden. Die Referenten bejahten dies uneingeschränkt. Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen, sei ein Genehmigungsverfahren in kürzester Zeit möglich. Es habe auch im Rahmen von Stuttgart 21 konkrete Überlegungen gegeben, wie man den Abraum per Neckar abtransportieren kann und Baumaterial mit dem Schiff wieder heranschafft. Das Projekt sei aber gescheitert, da man keine Reederei gefunden habe, die die zu erwartenden Kapazitäten aufnehmen hätte können. Allerdings gebe es auch erfolgreiche Beispiele, wo Schiffe wie im Pendelverkehr Flusssand und Salz im Wechsel transportieren.

 

(5) Warum ist in den letzten 40 Jahren nichts geschehen?

Auch die provokante Frage, ob die Politik die Entwicklung der letzten 40 Jahre verschlafen hätte wurde an die Referenten gerichtet. Warum werde man erst jetzt aktiv? Hier erklärte Herr Michels, dass man die Entwicklung Deutschlands einbeziehen müsse. Nach der Wende wurden zunächst die Wasserstraßen und Binnenhäfen in den neuen Bundesländern ertüchtigt. Diese Maßnahmen seien nun abgeschlossen, so dass wieder mehr Mittel im Westen bereit stehen. Allerdings kämpfe auch seine Behörde mit ähnlichen Problemen wie in der freien Wirtschaft. Es mangele an Personal, sprich an Ingenieuren, die die erforderlichen Baumaßnahmen in genehmigungsfähige Planungen fassen.

 

(6) Wieviel freie Transportkapazität hat der Neckar?

Auch die Frage nach der freien Transportkapazität wurde gestellt, also wie viele LKWs könnten von der Straße auf das Schiff?

Hier gaben uns die Referenten eine Rechenaufgabe auf den Weg:

In den 70er Jahren wurden 14 Mio Tonnen/Jahr auf dem Neckar transportiert. Heute sind es nur noch 6 Mio Tonnen. Damit sind 8 Mio Tonnen Transportkapazität auf dem Neckar möglich. Das entspricht 4.444 Schiffsladungen bei 105-m-Schiffen pro Jahr.

Umgerechnet in LKWs wären pro Jahr 400.000 LKWs weniger auf den Straßen entlang des Neckars unterwegs bzw.  2.000 LKWs pro Tag.