NABU Ortsgruppe Hessigheim

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NABU Ortsgruppe Hessigheim | 16.01.2026

Wildbienen im Fokus – Ein Abend voller Entdeckungen

Rund 30 interessierte Gäste füllten am 9. Januar das Gässles-Stüble und folgten der Einladung des NABU Hessigheim zum Vortrag „Faszination Wildbienen – Vielfalt entdecken, Lebensräume gestalten“. Referent Michael Glück von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim nahm das Publikum mit auf eine spannende Reise in die Welt der heimischen Wildbienen – eine Welt, die oft übersehen wird, aber für unsere Ökosysteme unverzichtbar ist.

Wildbienenvielfalt im Überblick

In Deutschland sind rund 560 bis über 600 Wildbienenarten nachgewiesen. Etwa 270 Arten gelten als polylektisch, also als Generalisten, die Pollen von vielen verschiedenen Pflanzenfamilien nutzen. Rund 140 Arten sind oligolektisch und damit auf wenige, eng verwandte Pflanzenarten spezialisiert – sie reagieren besonders empfindlich auf den Verlust ihrer Futterpflanzen. Etwa 130 Arten sind parasitisch und bauen keine eigenen Nester, sondern nutzen die Brutzellen anderer Wildbienen und sammeln daher keine Pollen.

Einblick in komplexe Sozialstrukturen

Viele Wildbienenarten leben als Einzelgänger, doch einige zeigen erstaunliche soziale Verhaltensweisen. Michael Glück erläuterte, wie unterschiedlich die Lebensformen ausfallen können – von streng solitär lebenden Arten bis hin zu kleinen, arbeitsteilig organisierten Gemeinschaften.

Nistweisen und geeignete Materialien

Besonderes Interesse weckte der Blick auf die verschiedenen Nistweisen:

  • Hohlräume in Holz oder Pflanzenstängeln
  • Selbstgegrabene Gänge im Boden
  • Nutzung vorhandener Strukturen wie Mauerritzen
  • Selbstgebohrte Gänge in trockenem Totholz

Dazu erklärte Glück, welche Materialien für den Nestbau geeignet sind – und welche typischen Fehler bei künstlichen Nisthilfen vermieden werden sollten. Hochwertige, sauber gebohrte Hölzer, markhaltige Stängel und offene Bodenstellen gehören zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen.

Futterquellen und Lebensraumansprüche

Wildbienen sind auf ein reiches Angebot an pollen- und nektarreichen Blüten angewiesen. Viele Arten sind hochspezialisiert und fliegen nur bestimmte Pflanzen an. Glück zeigte eindrucksvoll, wie wichtig strukturreiche Gärten, Streuobstwiesen und naturnahe Flächen für das Überleben dieser Arten sind.

Bedrohte Vielfalt

Ein zentrales Thema war der dramatische Rückgang vieler Wildbienenarten. Über 50 % unserer heimischen Arten stehen auf der Roten Liste.

Zu den Ursachen zählen unter anderem:

  • Verlust geeigneter Lebensräume
  • Intensive Landwirtschaft
  • Versiegelung und monotone Gärten
  • Rückgang blütenreicher Flächen

Die Vielfalt schrumpft – und mit ihr ein wichtiger Teil unserer natürlichen Bestäubungsleistung.

Schutz und Förderung: Was jeder tun kann

Zum Abschluss gab Glück zahlreiche praxisnahe Tipps, wie Wildbienen im eigenen Umfeld unterstützt werden können:

  • heimische, ungefüllte Blütenpflanzen setzen
  • offene Bodenstellen und Totholz erhalten
  • hochwertige Nisthilfen anbieten
  • Gärten vielfältig und naturnah gestalten

Im Anschluss an den Vortrag gab es die Möglichkeit für Fragen, die ausgiebig genutzt wurde.

Michael Glück hatte außerdem Literatur sowie zahlreiche Exponate dabei, die großes Interesse fanden. Besonders die Exponate zeigten eindrucksvoll die enorme Vielfalt unserer Wildbienenarten.

Weiterführende Informationen sind unter https://biova-leitfaden.de/ oder https://www.wildbienen.info/ zu finden.
Weitere von Michael Glück zur Verfügung gestellte Unterlagen können gerne bei unserem Schriftführer Markus Haiber per Mail unter m.haiber@o2mail.de angefordert werden.

Der informative Abend zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll und zugleich verletzlich die Welt der Wildbienen ist – und wie leicht jeder einen Beitrag zu ihrem Schutz leisten kann.

Ein herzlicher Dank gilt Michael Glück für den interessanten und lebhaft gestalteten Vortrag sowie dem Gässles-Stüble, das extra für diese Veranstaltung geöffnet hatte.