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NABU Ortsgruppe Hessigheim | 16.01.2026

Tierische Auszeit

Tierische Auszeit (1)

Die Evolution hat viele Wege gefunden, die Tiere die Herausforderungen des Winters meistern können. Einer davon ist eine Fettschicht und ein gut isolierendes Winterfell, das im Frühjahr wieder gewechselt werden kann. Wildschweine zum Beispiel, Wölfe oder Luchse beschreiten diesen Weg. Eichelhäher, Kleiber oder Eichhörnchen müssen sich dagegen weniger gegen die Kälte wappnen als gegen den Mangel an Fressbarem. Daher legen sie sich Nahrungsdepots an. Zugvögel wiederum fliegen den unwirtlichen Bedingungen des Nordens einfach in Richtung Süden davon.

Noch ein Weg, den manche Tiere beschreiten, ist die Flucht nach innen.: Wenn es kalt und ungemütlich wird, suchen sich diese Tiere einen geschützten Ort, legen sich dort zur Ruhe und fahren alle Körperfunktionen herunter – Winterschlaf. Ein einfaches Wort für einen komplizierten Vorgang: Ausgelöst durch eine innere Uhr, schwindendes Tageslicht und sinkende Temperaturen schalten die Winterschläfer auf Fettstoffwechsel um. Statt aufgenommener Nahrung nutzt der Körper nur noch angelegte Fettreserven zur Energiegewinnung. Die Körpertemperatur sinkt auf Werte nahe dem Gefrierpunkt, die Atmung geht auf wenige Züge pro Minute zurück, auch das Herz schlägt nur noch ein paar Mal pro Minute. Die Schläfer verbrauchen dabei bis zu 90 Prozent weniger Energie als im Wachzustand. Von kurzen Wachphasen unterbrochen, verschlafen sie die schlechten Witterungs- und Nahrungsbedingungen. Der Winterschlaf kann von einigen Wochen bis mehrere Monate dauern.

Igel beispielsweise verbringen rund die Hälfte des Jahres im Winterschlaf und senken dabei ihre Herzfrequenz von rund 200 auf weniger als zehn Schläge pro Minute. Der Siebenschläfer hält sogar acht Monate Winterschlaf und kann diesen unter extremen Bedingungen auf nahezu ein Jahr ausdehnen.

Ein Winterschlaf ist allerdings auch eine heikle Angelegenheit: Winterschläfer sind potenziellen Feinden schutzlos ausgeliefert. Und jede Störung kann zu einer ungeplanten Wachphase führen, in der so viel Energie verbraucht wird, dass nicht mehr genug übrig bleibt, um den langen Winter zu überstehen. Auch die Aufwachphase ist kritisch: Innerhalb weniger Stunden wird der Organismus auf Normalbetrieb hochgefahren, auf eine Körpertemperatur von 37 Grad oder höher, auch normale Atmung und normalen Stoffwechsel – eine gewaltige Belastung für den Körper.

Entscheidend für die Rückkehr zum Normalbetrieb ist bei Säugetieren das braune Fettgewebe mit seiner speziellen Art von Fettzellen, die durch das Verbrennen von Kalorien Wärme erzeugen. Es liegt vor allem im Nacken- und Brustbereich der Tiere und liefert den ersten Impuls zum Aufwärmen vor allem von Herz, Lunge und Gehirn. Der restliche Körper wird dann über Muskelzittern erwärmt. Ist nicht genug braunes Fettgewebe vorhanden, fehlt die Energie für das vollständige Durchlaufen des Aufwärmprozesses, das Tier findet nicht zu seiner normalen Aktivität zurück und stirbt. Genügend Tiere jedoch schaffen es und bestätigen den Winterschlaf als Erfolgsmodell.