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NABU Ortsgruppe Hessigheim | 20.01.2026

Tierische Auszeit (2)

Täglicher Torpor und Winterschlaf

Hinter dem Winterschlaf steckt der Zustand einer gesenkten Stoffwechselrate: Torpor (Erstarrung, Betäubung) genannt. Es ist ein ausgeprägter, inaktiver Starrezustand, den vor allem kleinere Säugetiere und Vögel nutzen, um bei Kälte oder Nahrungsmangel Energie zu sparen. Dabei kann Torbor nicht nur im Winter, sondern jederzeit bei schlechten Umweltbedingungen als Energiesparmodus angewendet werden. Der Stoffwechsel wird auf ein Minimum gesenkt und die Körpertemperatur deutlich heruntergefahren.

Forscher unterscheiden zwei Arten von Torpor: Den täglichen Torpor, der von einigen Stunden bis zu einem Tag anhalten kann, und den Winterschlaf (Hibernation), der länger als einen Tag dauert und saisonal, der vor allem bei niedrigen Temperaturen im Winter auftritt.

Im Vergleich zu den Winterschläfern können Tiere aus dem täglichen Torpor in wesentlich kürzerer Zeit wieder aufwachen und zu ihrer normalen Aktivität übergehen. Täglicher Torpor ist bei mehreren nachgewiesen, auch bei einigen heimischen Arten. Mauersegler (Apus apus) etwa verbringen den Großteil ihres Lebens in der Luft. Schlechtes Wetter können sie normalerweise leicht umfliegen – nur nicht in der Brutzeit. Die Jungvögel sind auf Fütterungen der Eltern angewiesen. Bleiben die wegen schlechtem Wetter und damit verbundenem Nahrungsmangel aus, gehen die Jungtiere in einen energiesparenden Torpor über. Auch von erwachsenen Mauerseglern ist bekannt, dass die am Nistplatz in kalten Nächten die Körpertemperatur um bis zu acht Grad absenken und in den Energiesparmodus schalten.

Einige heimische Singvogelarten machen das ebenfalls, wenn auch etwas weniger ausgeprägt: Blau- und Kohlmeisen können nachts ihre Körpertemperatur um circa fünf Grad absenken. Auslöser dafür sind ebenfalls Nahrungsknappheit und kalte Nächte. Auch für Weidenmeisen und Goldhähnchen sowie für Haus- und Ringeltauben ist Torpor nachgewiesen.

Am ausgeprägtesten findet sich diese Fähigkeit bei einer Artengruppe, die eng mit Mauerseglern und (etwas weniger eng) auch mit den Nachtschwalben verwandt ist: Kolibris sind zu einem sehr tiefen Torpor fähig. Den Rekord hält das Schwarzbauch-Glanzschwänzchen, das in den Hochlagen der Anden lebt. Nacht für Nacht senkt der Vogel seine Körpertemperatur bis auf etwa 3,5 Grad ab. Aber auch in tropischen Gebieten, in denen die Temperaturen konstant über 25Grad liegen, gehen Kolibris regelmäßig in den Torpor. Von allen Vögeln und Säugetieren haben sie haben sie die höchste Stoffwechselrate. Das heißt, selbst im Ruhezustand verbrauchen sie etwa dreimal so viel Energie wie etwa Meisen. Der Torpor als Energiesparmethode ist für sie besonders wichtig.

Temperatur und Nahrungsangebot ausschlaggebend

Nachtaktive Tiere halten häufiger Torpor/Winterschlaf als tagaktive. Fleischfresser häufiger als Pflanzenfresser. Gerade bei insektenfressenden Tieren leuchtet das ein. In Regionen mit stark ausgeprägten saisonalen Temperaturunterschieden schwankt auch die Verfügbarkeit von Insekten deutlich. Einige Fledermäuse beispielsweise halten ihren Winterschlaf während der Periode mit dem niedrigsten Insektenvorkommen.

Eine Umgebung mit ausgeprägten Jahreszeiten, also kälteren, trockeneren und nährstoffärmeren Episoden, begünstigt Torpor und Winterschlaf. Gleichbleibend warme Temperaturen und ein kontinuierliches Nahrungsangebot lassen die Wahrscheinlichkeit für Torpor und Winterschlaf dagegen sinken.