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NABU Ortsgruppe Hessigheim | 27.01.2026

Tierische Auszeit (3)

Ungewöhnliche Schläfer

Zu den Arten, die dem typischen Muster nicht entsprechen, gehören Schwarz- und Braunbären. Sie leben zwar größtenteils in Gebieten mit starken saisonalen Temperaturunterschieden und schwankendem Nahrungsangebot – eine passende Voraussetzung für Torpor/Winterschlaf -, allerdings sprengen sie mit ihrem Gewicht von meist über 100 Kilogramm die Größenordnung der übrigen Winterschläfer. Trotzdem halten die Bären Winterschlaf. Das Problem der komplizierten, energieaufwendigen Wiederaufwärmphase umgehen sie, indem sie ihre Körpertemperatur im Herbst nur um wenige Grad absenken. Das Verbreitungsgebiet der Schwarzbären reicht von Alaska bis Mexiko. In Gebieten, in denen es keine kalten Winter gibt, verzichten die Tiere auf Winterschlaf. Winterschlaf ist kein Programm, das immer automatisch abläuft. Wenn die Umstände es zulassen, wird die Fähigkeit nicht aktiviert. Wahrscheinlich gibt es noch eine ganze Reihe von Arten, die die Fähigkeit zu Torpor oder Winterschlaf haben, diese aber nicht aktivieren, weil das in ihrem Ökosystem nicht nötig ist.

Es gibt noch weitere ungewöhnliche Winterschläfer, Arten zum Beispiel, die trotz gleichbleibender warmer Umgebungstemperatur mehrere Monate am Stück schlafen: die auf Madagaskar heimischen Fettschwanzmakis sind obligate Winterschläfer. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blüten und Früchten und fressen sich in der Zeit von November bis März einen Fettvorrat an, der vor allem im Schwanz gespeichert wird – daher der Gattungsname. Die Trockenzeit, die etwa von April bis Oktober anhält, verschlafen die Makis dann in Baumhöhlen. Ihre Körpertemperatur gleicht sich dabei der Umgebungstemperatur an.

Auch Ameisenigel, die im Süden und Osten Australiens sowie auf Tasmanien leben, gehören zu den Winterschläfern. Weil Ameisen und Termiten – die Hauptnahrung der Tiere – in den australischen Wintermonaten Mai bis August kaum aktiv sind, macht die Ruhephase Sinn. Ähnlich wie bei Schwarzbären ist der Winterschlaf in den kalten Lebensräumen obligat. In wärmeren Regionen verzichten die Ameisenigel aber darauf und nutzen zum Energiesparen stattdessen kürzere Torpor-Phasen. Auch ein Beleg dafür, dass Winterschlaf und Torpor keine getrennten Fähigkeiten sind, sondern ein Kontinuum bilden.

Das ist auch bei den heimischen Fledermausarten so: In der kalten Jahreszeit halten sie alle einen mehrmonatigen Winterschlaf. Darüber hinaus nutzen viele Arten einen Torpor für kurzfristige Energieersparnis – zum Beispiel in den Ruhephasen am Tag, aber auch wenn schlechte Witterung die Nahrungssuche bei Nacht unmöglich macht. Siebenschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus nutzen Torpor ebenfalls regelmäßig zusätzlich zum Winterschlaf. Andere Arten wie Hausmaus, Rötelmaus, Gelbhalsmaus oder die auf Madagaskar heimischen Mausmakis nutzen nur Torpor.

Nur ein Winterschläfer unter den Vögeln

Den langen Winterschlaf nutzen fast nur Säugetiere. Vögel sind keine Winterschläfer. Um ihre Flugfähigkeit zu erhalten, können sie in der Regel kein großes Fettpolster anlegen, das sie für die längere Ruhephase bräuchten. Ihnen fehlt auch das braune Fett, das für die Erwärmung am Ende des Winterschlafs wichtig ist. Außerdem liegen ihre Schlafplätze häufig exponiert auf Ästen, was eine längere Ruhephase gefährlich macht.

Eine Ausnahme gibt es trotzdem: die Winternachtschwalbe. Sie lebt im Westen Nordamerikas und jagt nachts nach Insekten. Wenn es kalt wird und wenn weniger Insekten unterwegs sind, suchen sich die Vögel Felsnischen, in denen sie mehrere Tage bis hin zu mehreren Monaten Winterschlaf halten. In der insektenreichen Zeit zuvor haben sie einen kleinen Fettvorrat anlegen können. Und für das Problem mit dem fehlenden braunen Fett hat die Winternachtschwalbe eine elegante Lösung gefunden: Die Felsnischen, in denen sie schläft, haben meist eine südliche Ausrichtung. Bei gutem Wetter erwärmt die Sonne die Steine und den darin ruhenden Vogel gleich mit.