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Ingersheim informiert | 21.01.2026

Rede von Frau Bürgermeisterin Lehnert zum Neujahrsempfang vom 18.01.2026

Liebe Ingersheimerinnen und Ingersheimer,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

ich freue mich sehr, Sie heute hier zu unserem Neujahrsempfang begrüßen zu dürfen. Das neue Jahr 2026 hat schon vor ein paar Tagen begonnen und ruckzuck ist man wieder in der Arbeit, im Alltag und den unglaublich vielen News und Berichten aus aller Welt gefangen. Doch ich möchte mit Ihnen den Beginn des neuen Jahres dazu nutzen, gemeinsam zurückzublicken, innezuhalten und den Blick nach vorne zu richten.

Unser Motto lautet: „Ingersheim schafft Gemeinschaft.“
Das ist kein leeres Versprechen, sondern eine Haltung, die unseren Ort prägt – und die gerade in den letzten Jahren immer wieder auf die Probe gestellt wurde.

Ingersheim ist eine Gemeinde mit rund 6.500 Einwohnerinnen und Einwohnern. Eine überschaubare Größe – und genau das ist unsere große Stärke. Denn hier kennt man sich, hier hilft man sich, hier ist Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebter Alltag.

Wenn wir auf die letzten sechs Jahre zurückblicken, dann liegen bewegte Zeiten hinter uns. Die Corona-Pandemie hat uns alle gefordert – persönlich, gesellschaftlich und politisch. Sie hat Unsicherheiten mit sich gebracht, Ängste ausgelöst und Gewissheiten infrage gestellt. Gleichzeitig hat sie aber auch gezeigt, wie belastbar, wie kreativ und wie solidarisch unsere Gemeinde ist. Und obwohl die Auswirkungen dieser tiefgreifenden Krise noch überall so deutlich spürbar sind: politisch und gesellschaftlich so viel verändert haben, zeigt sich hier, wie Menschen ticken: Viele von uns haben diese Zeit verdrängt oder gar vergessen. Das ist nicht schlimm, sondern menschlich und doch sollten wir aus Krisen lernen und unsere Schlüsse daraus ziehen. Ich frage mich: Haben wir dies ausreichend gemacht? Häufig machen wir uns auf die Suche nach Schuldigen und denjenigen, die Fehler gemacht haben, um diese zu bestrafen. Das bringt uns leider keinen Schritt weiter. Viel wichtiger wäre, dass wir schauen, was hat gut geklappt, worauf können wir aufbauen und welche Strategie funktioniert?

Wir in Ingersheim haben uns 2022 gemeinsam auf den Weg gemacht, um in die Zukunft zu schauen und unsere Gemeinde gemeinsam aktiv zu gestalten.

In dieser Zeit haben wir mit Erarbeitung unseres Gemeindeentwicklungskonzeptes gestartet. Dieses Konzept ist keine Schublade voller Papier, sondern eine grundlegende Strategie für die kommenden 15 Jahre in Ingersheim. Sie alle konnten daran mitwirken durch die Beantwortung von Fragebögen, bei Bürgerbeteiligungsformaten wie einem Jugendtag und auch Arbeitskreisen hier in der SKV-Halle.

Warum ist dieses Konzept so wichtig für uns alle?
Weil es sich auszahlt, eine Strategie zu haben.
Weil man dann nicht planlos agiert oder hektisch auf Herausforderungen reagiert, sondern weiß, was ansteht.
Weil klar ist, welche Ziele wir verfolgen, wie Projekte finanziert werden können und welche personellen und weiteren Ressourcen dafür notwendig sind.

Kurz gesagt: Eine gute Strategie gibt Sicherheit – und Handlungsspielraum.

Mein Team und ich, wir haben Ihnen heute einen aktuellen Stand des Konzeptes mitgebracht. An den Wänden sehen Sie die zentralen Maßnahmen, die wir beschlossen haben und viele davon haben wir auch schon umgesetzt oder auf den Weg gebracht. Wir haben Ihnen die Sanierungsgebiete dargestellt, die die Grundlage für die Finanzierung notwendiger Investitionen und Sanierungen in Klein- und Großingersheim darstellen.

-Verweis auf die Inhalte der Plakate-

Bei allem Planen, bei allen Konzepten und Zahlen ist eines jedoch klar:
Das Wichtigste in unserer Gemeinde sind die Menschen.

Ingersheim lebt von seinen Vereinen, von Ehrenamtlichen, von Menschen, die sich mit Zeit, Herz und Ideen einbringen. Für fast jedes Interesse, jedes Bedürfnis und jede Lebensphase gibt es bei uns ein Angebot – und wenn es noch keines gibt, dann erfinden wir es eben.

So sind in den vergangenen Monaten wunderbare neue Formate entstanden:
ein Repair Café,
ein Kaffeklatsch für alle,
ein Strickcafé
und ein Erzählcafé.

Diese Angebote sind mehr als Freizeitbeschäftigungen. Sie sind Orte der Begegnung, des Zuhörens, des Miteinanders. Sie zeigen, was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen.

Ich danke allen Ehrenamtlichen, die hier aktiv mitwirken und diese Möglichkeiten schaffen!

Denn: Gemeinschaft ist nichts Selbstverständliches. Sie braucht Pflege, Aufmerksamkeit und eine klare Haltung.
Es ist wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen, dass wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen und ganz bewusst wahrnehmen, wie wertvoll das ist, was wir hier haben.

Egoismus und Panik bringen uns nicht voran.
Was wir brauchen, sind klare Werte, an denen wir uns orientieren.
Eine Haltung, die den Nachbarn und die Nachbarin mitdenkt – in unseren täglichen Entscheidungen.

In den letzten Monaten ist mir immer wieder deutlich geworden: Wer nur auf sich selbst schaut, wer egoistisch argumentiert und handelt, wer vergisst, wie es anderen geht, stellt das Gemeinwohl infrage.
Wer eigene Interessen über die der Gemeinschaft stellt, gefährdet schon im Kleinen das, was unseren Alltag trägt: Zusammenhalt, Verständnis und die Bereitschaft, zum Gelingen des Zusammenlebens beizutragen, indem mal auch verzichtet oder bereit für einen schmerzhaften Kompromiss ist.

Genau diesen Geist wollen wir in Ingersheim bewahren und stärken.
Und dafür setze ich mich jeden Tag mit voller Überzeugung ein.

Im Vorfeld zum heutigen Empfang habe ich mich mehrfach gefragt:
Was treibt mich an?
Warum möchte ich Sie heute alle hier treffen?
Warum ist dieser Abend so wichtig?

Die Antwort ist einfach – und zugleich sehr tiefgehend:
Wir brauchen uns.

Wir brauchen das Lächeln, den Blick, die Begegnung.
Wir brauchen die Aufmunterung, das kurze Gespräch, das ehrliche Interesse.
Wir brauchen Rituale, Zusammenkünfte, Gelegenheiten, bei denen wir spüren: Wir gehören zusammen.

Gerade in einer Zeit, die oft laut, schnell und verunsichernd ist, sind diese Momente unbezahlbar.

Lassen Sie uns das neue Jahr deshalb mit Zuversicht beginnen.
Mit dem festen Willen, Gemeinschaft zu leben.
Mit Offenheit füreinander.
Und mit dem Vertrauen darauf, dass Ingersheim auch weiterhin das bleibt, was es ausmacht:
ein Ort, an dem man sich kennt, an dem man sich hilft – und an dem Gemeinschaft geschaffen wird.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, für Ihr Engagement und für Ihren Beitrag zu unserem gemeinsamen Ingersheim.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes, friedliches und gemeinschaftsstarkes neues Jahr.

Vielen Dank.