Landratsamt Ludwigsburg | 31.07.2026
Ludwigsburg. Aus Anlass des Internationalen Tages gegen Menschenhandel am 30. Juli spricht sich der Landkreis Ludwigsburg – beratendes Mitglied im „Bündnis gegen (Zwangs-) Prostitution und Menschenhandel in Stadt und Landkreis Ludwigsburg“ – entschieden gegen Zwangsprostitution, Ausbeutung und Menschenhandel aus. Gleichzeitig machen die Gleichstellungsbeauftragte und das Gesundheitsdezernat des Landkreises auf die verschiedenen Hilfs- und Beratungsangebote für betroffene Frauen und deren soziales Umfeld aufmerksam.
2024 wurden in Deutschland so viele Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Ausbeutung abgeschlossen wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2000. Laut des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIM) werden jeden Tag drei Fälle von Menschenhandel in Deutschland festgestellt. Besonders betroffen sind Frauen: Rund 97 Prozent der in Deutschland in Ermittlungsverfahren erfassten Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung sind weiblich. Fast jede vierte betroffene Person von Menschenhandel ist minderjährig.
Körperliche Erkrankungen und Sucht als Folgen der Ausbeutung
„Die gesundheitlichen Auswirkungen von Menschenhandel sind enorm“, so Dr. Uschi Traub, Leiterin der Gesundheitsförderung beim Gesundheitsdezernat des Landkreises. „Wir sehen nicht nur sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Chlamydien. Auch Nikotin-, Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht ist ein großes Problem. Betroffene versuchen mit dem Konsum, die emotionalen und seelischen Traumatisierungen besser zu ertragen.“ Darüber hinaus sind 70 bis 95 % der Personen in der Zwangs-Prostitution körperlicher Gewalt ausgesetzt – von Brandwunden, blutenden Rissen, Blutergüssen bis zu Knochenbrüchen. Schwerwiegende psychische Folgen sind unter anderem Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), schwere Stresssymptome, Panikattacken, oder Depressionen. Die Häufigkeit, eine PTBS in der Prostitution zu entwickeln, ist mehr als doppelt so hoch wie für Kriegsopfer, die eine Prävalenz für die Entwicklung einer PTBS von 20 Prozent haben.
Gefährliche Täuschung: Die Methoden des Menschenhandels
Menschenhandel beginnt häufig mit falschen Versprechen. Bei der sogenannten Loverboy-Methode nutzen in den meisten Fällen männliche Täter gezielt die emotionale Verletzlichkeit jüngerer Frauen aus. Mit vorgetäuschter Liebe und emotionaler Abhängigkeit werden sie schrittweise in die Prostitution gedrängt. Andere werden mit der Aussicht auf ein finanziell abgesichertes Leben oder eine Arbeitsstelle – etwa in der Pflege oder Gastronomie – nach Deutschland gelockt und anschließend unter ausbeuterischen Bedingungen ausgenutzt.
Gemeinsam gegen Menschenhandel
Viele Betroffene kennen ihre Rechte nicht, sprechen kaum Deutsch oder wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Deshalb ist es entscheidend, niedrigschwellige Hilfsangebote bekannter zu machen und Betroffene frühzeitig zu erreichen.
Menschenhandel ist kein Randphänomen, sondern eine schwere Menschenrechtsverletzung. „Dass nahezu alle Betroffene zum Zweck der sexuellen Ausbeutung Frauen sind, zeigt die geschlechtsspezifische Gewalt deutlich auf. Deshalb ist es unsere gemeinsame Aufgabe, hinzusehen, aufzuklären und den Zugang zu Hilfsangeboten zu stärken“, betont Cynthia Schönau, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Ludwigsburg.
Hilfsangebote:
· das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016
· die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen „Silberdistel Ludwigsburg e.V.“:
https://silberdistel- ludwigsburg.de/)
· der Verein „Frauen für Frauen e.V.“: http://www.frauenfuerfrauen-lb.de/
· die „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ https://www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de/
