In der Gemeinde Ingersheim wurden gesicherte Vorkommen der invasiven Ameisenart Tapinoma magnum festgestellt.
Für Menschen stellt die Art nach aktuellem Kenntnisstand keine unmittelbare Gefahr dar. Durch ihr massenhaftes Auftreten kann sie jedoch zu erheblichen Beeinträchtigungen auf Grundstücken, in Gärten sowie im Bereich von Pflasterflächen und technischen Anlagen führen.
Die Gemeinde Ingersheim hat bereits erste Maßnahmen eingeleitet und arbeitet gemeinsam mit Fachleuten an einer Eindämmung der weiteren Ausbreitung. Hierzu gehören die Beobachtung der bekannten Befallsgebiete, die Information betroffener Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Vorbereitung weiterer Bekämpfungsmaßnahmen.
Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung. Sollten Sie auffällige Ameisenstraßen, größere Ansammlungen von Ameisen oder Erdnester zwischen Pflastersteinen und Gehwegflächen feststellen, gehen Sie bitte wie folgt vor:
Weitere Informationen zur Ameisenart sowie Hinweise zur Erkennung und Meldung von Befallsfällen finden Sie auf der Seite des Tapinoma-Forschungsprojekts des Naturkundemuseums Stuttgart
Ansprechpartner:
Amt für Liegenschaften, Bau und Technik
lbt@ingersheim.de
Tel.: 07142 9745 21
Im Rahmen einer gutachterlichen Ortsbegehung am 28.05.2026 wurde zwei Ausdehnungsbereich in Großingersheim identifiziert. Besonders betroffen ist der Bereich rund um Rathaus und Martinskirche. Die Superkolonie hat eine Ausdehnung im Süden bis Gaisbergweg/Im Staffelrain, im Westen bis in die Marktstraße, im Norden bis zur Pleidelsheimer Straße und im Osten bis zur Kirchgasse.
Ein zweiter gesicherter Bereich befindet sich im Westen des Wohngebiets "Holderweg Süd" im Bereich der Jagststraße.
Folgende Kriterien helfen bei der Einschätzung, ob eine Große Drüsenameise Tapinoma magnum vorliegt:
Größe und Farbe:
Verhalten:
Brut-Transporte:
Körperbau:
Geruchstest:
Wenn Sie diese Erkennungsmerkmale erfüllt sehen, handelt es sich vermutlich um die Große Drüsenameise Tapinoma magnum. Befunde können durch das Tapinoma-Forschungsprojekt der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe bestätigt werden. Bitte nutzen Sie hierzu die Tapinoma-Meldeplattform und informieren die Gemeinde über einen bestätigten Befund.
Das begutachtete Befallsgebiet in der Ortsmitte Großingersheim ist verhältnismäßig groß. Aufgrund der verfügbaren Informationen zur Biologie der invasiven Ameisenart Tapinoma magnum kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich im begutachteten Gebiet eine sog. Superkolonie dieser Art angesiedelt hat. Innerhalb solcher Superkolonien gibt es teilweise hunderte Teilnester, zwischen denen ein permanenter Austausch an Individuen stattfindet. Durch diesen Austausch von Individuen zwischen Nestarealen kann eine Eindämmung und Tilgung im Befallsgebiet nur erfolgen, wenn gleichzeitig alle Anwohner sowie die Kommune koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung ergreifen. Besonders massiv ist der Befall auf den gepflasterten Einfahrten und Innenhöfen innerhalb des Vorkommensgebietes. Aufgrund der Südexposition heizen sich die hier liegenden, gepflasterten Flächen besonders stark auf, was für die wärmeliebende, mediterrane Ameisenart Tapinoma magnum ideal ist.
Aufgrund der aktuellen Größe des Befallsgebiets liegt das ursprüngliche Befallsereignis vermutlich schon mehr als zehn Jahre zurück. Die bekannten Teilpopulationen müssen konsequent bekämpft werden. Die Bekämpfung sollte immer direkte Bekämpfungsmaßnahmen sowie weitere vorbeugende und begleitende Maßnahmen beinhalten.
Vorbeugende und begleitende Maßnahmen
Die Tapinoma magnum vor allem in vegetationsarmen Bereichen vor. Die trockenwarmen, sich aufheizenden Pflaster- und Asphaltbereiche der Bürgersteige und Hofeinfahrten begünstigen die Ausbreitung der Ameisenart. Grundsätzlich gilt, je höher und dichter die Vegetation ist, desto unwahrscheinlicher ist das Auftreten der Tapinoma magnum. Dort wo dies im Gebiet möglich ist, sollte für eine möglichst dichte Bepflanzung von Gärten und Vorgärten ohne offene und besonnte Bodenstellen gesorgt werden. Das Aussäen einer Gras- und Wiesenmischung auf Freiflächen oder auf Baumscheiben, kann ebenfalls helfen die Expansion der T. magnum-Superkolonie einzudämmen. Beim Anlegen von Grünflächen empfiehlt es sich eine autochthone Samenmischung auszusähen, um dort eine hochgrasige Wiese entstehen zu lassen.
Koloniefragmente können über Grünschnittabfälle und entsorgte, eingetopfte Pflanzen aus dem Befallsareal verbreitet werden. Auf gar keinen Fall dürfen daher Grünschnitt und Pflanzenreste aus dem Befallsgebiet in der Natur entsorgt werden. Abraum und Schutt, der durch Bauarbeiten entsteht, sollte auf einen möglichen Ameisenbefall hin untersucht werden.
Die Bedeckung des Bodens durch Bauschutt, Folien, oder Unkrautfliese sollte vermieden werden. Unter diesen Strukturen können unbemerkt individuenreiche Nestanlagen entstehen.
Bekämpfungsmaßnahmen gegen ausgedehnte Superkolonien invasiver Ameisenarten können nur erfolgreich sein, wenn alle Grundstücksverantwortlichen hinsichtlich der Bekämpfung eng zusammenarbeiten und auf diese Weise die Ameisen sowohl im öffentlichen Raum als auch auf den Privatgrundstücken bekämpft werden.
Einheimische Ameisenarten müssen daher bei den Bekämpfungsaktionen so gut wie möglich geschont werden, da es sich dabei um natürliche Gegenspieler der invasiven Tapinoma magnum handelt, die die Ausbreitung dieser problematischen Ameisenart zumindest verlangsamen können.
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die geeigneten Bekämpfungsmethoden:
Üblicherweise werden zur Bekämpfung von Ameisen Kontaktinsektizide und Ködergele eingesetzt. Da Tapinoma magnum große, zusammenhängende Superkolonien ausbildet wird in der Regel empfohlen eine Bekämpfung mit dem Heißwasser-Schaum-Verfahren durchzuführen. Dabei wird Wasser zum Kochen gebracht und dem kochenden Wasser pflanzliche Inhaltsstoffe wie Kokosnussöl oder Maisstärke beigefügt. Der dadurch entstehende Schaumteppich verlangsamt das Abkühlen, wodurch die Hitze länger und intensiver wirkt.
Die Heißwasser-Schaum-Methode kann zur direkten Bekämpfung von Arbeiterinnen verwendet werden, die auf den sog. „Ameisenstraßen“ laufen sowie zur Bekämpfung der Individuen (Königinnen, Arbeiterinnen, Puppen und Larven) die in den unterirdisch angelegten Erdnestern zum Beispiel unter Pflastersteinen leben. Ein Freilegen der Nester direkt vor der Bekämpfung kann sinnvoll sein, doch sollte sichergestellt werden, dass die Königinnen keine Zeit haben den behandelten Bereich zu verlassen.
Um einen nachhaltigen Bekämpfungserfolg zu erreichen, müssen die Nester mehrmals in kurzen, zeitlichen Abständen mit dem Heißwasser-Schaum-Verfahren behandelt werden. Um zu verhindern, dass sich die Ameisenpopulation nach einer Behandlung regenerieren kann, sollten die Behandlungen am besten mehrmals täglich durchgeführt werden. Behandlungsdurchgänge müssen unbedingt auch im Frühjahr, Herbst und Winter erfolgen, da die Nester temperaturbedingt dann vermehrt unter Pflastersteinen angelegt werden. Außerdem ist anzunehmen, dass sich die Kolonien in der kühleren Jahreszeit aufgrund des fehlenden Nahrungsangebotes anders als im Sommer nicht regenerieren können.
Eine Behandlung mit entomopathogenen Nematoden, kleinen Fadenwürmern, die die Ameisen abtöten, hat sich in der Praxis nach der Anwendung mit Heißwasser-Verfahren bewährt. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung gibt es für T. magnum noch nicht, doch soll eine Behandlung des erkalteten Bodens mit Nematoden eine Regeneration der geschwächten Völker erschweren. Derartige insektenpathogene Nematoden können bei der e-nema GmbH bestellt werden. Dort berät man Sie auch bezüglich des Einsatzes der Nematoden.
Zusätzlich sollten zuckerhaltige Ködergele zur Bekämpfung der Tapinoma magnum verwendet werden (z. B. auf Privatgrundstücken und vor allem bei einem Auftreten in Gebäuden). Hierbei handelt es sich um gelförmige Fraßköder, die einen insektiziden Wirkstoff enthalten. Ziel der Bekämpfungsmaßnahme ist es, dass die Arbeiterinnen den insektiziden Wirkstoff aufnehmen und an die Königinnen sowie an die Larven verfüttern. Nur wenn die Königinnen abgetötet werden, kann der Befall getilgt werden. Der große Vorteil von insektiziden Fraßködern ist, dass die zu bekämpfenden Tiere aktiv zum Köder kommen. Daher kann dieses Verfahren grundsätzlich auch dann zur Bekämpfung von Ameisen eingesetzt werden, wenn die Lage des Nests nicht lokalisiert werden kann. Der Gelköder Advion Ameisengel wird zum Beispiel hervorragend von T. magnum Arbeiterinnen angenommen.
Um Ameisenstraßen und Teilkolonien unter der Fassade von Gebäuden oder in Mauerritzen zu bekämpfen, können hier flüssige oder staubförmige Insektizide mit Langzeitwirkung ausgebracht werden. Bei den enthaltenen Wirkstoffen handelt es sich in der Regel um synthetisch hergestellte Pyrethoide, die auf das Nervensystem von Insekten wirken. Die Produkte sollten für den Einsatz im Außenbereich zugelassen sein. Dann ist gewährleistet, dass sie auch infolge einer hohen UV-Strahlung oder infolge von Regen nicht sofort ihre Wirksamkeit verlieren.
Auch für den Einsatz gegen Ameisen zugelassene Granulate können eingesetzt werden. Diese, meist zuckerhaltigen insektiziden Granulate, können entweder direkt in die Ameisennester gestreut oder aber in Wasser aufgelöst und dann in die Nesteingänge gegossen werden. Derartige Ameisen Streu- und Gießmittel sind in der Regel auch in Baumärkten erhältlich und können auch von Privatpersonen erworben und eingesetzt werden. Die Granulate dürfen nicht in heißem oder gar kochendem Wasser aufgelöst werden, da die enthaltenen Wirkstoffe auf diese Weise zerstört werden könnten. Bitte beachten Sie immer die Gebrauchsanweisung!
Als Alternative zu den genannten Insektiziden und für einen giftfreien Einsatz im Innenraum, können auch Präparate mit dem Wirkstoff amorphes Siliziumdioxid hinter die Fassadenverschalung, an Übertrittspunkte zum Innenraum und in Hohlräume appliziert werden (sog. Kieselgur oder auch Diatomeenerde). Der Wirkstoff amorphes Siliziumdioxid zerstört die sog. Epicuticula der Ameisen, also die äußere Körperhülle und führt so eine Austrocknung der Tiere herbei. Für den Menschen ist amorphes Siliziumdioxid nicht gesundheitsschädlich. Ein Präparat, das den Wirkstoff amorphes Siliziumdioxid enthält, ist beispielsweise Silicosec.
Auch im Freiland kann die Anwendung von amorphem Silikatstaub eine begleitende Maßnahme sein. Voraussetzung ist dabei, dass das Pulver nicht durch Regen oder Bodenfeuchtigkeit feucht wird. Dann verklumpt das Pulver und verliert seine Wirkung. Im Freiland sollten entsprechende Produkte daher vor allem in längeren Trockenphasen eingesetzt werden. Der amorphe Silikatstaub kann in die Nesteingänge und auf die Ameisenstraßen gestreut werden.
Eine flankierende Maßnahme im Kampf gegen Superkolonien von T. magnum kann das regelmäßige Einsaugen von Arbeiterinnen sein. Hierbei werden vor allem die auf den Ameisenstraßen laufenden Arbeiterinnen mit Hilfe eines Naß-Staubsaugers eingesaugt. Dieses Verfahren kann offensichtlich sehr erfolgreich sein, wenn man es regelmäßig einsetzt. Im Rahmen einer Kartierung schilderte ein Anwohner seine Erfahrungen mit dieser Methode. Obwohl das betroffene Grundstück mitten in einem größeren Befallsgebiet lag, war das Grundstück selbst nur sehr schwach befallen. Die regelmäßige Entnahme von Arbeiterinnen aus Teilkolonien hat zur Folge, dass die in den Erdnestern vorhandenen Königinnen sowie die Larven nur noch unzureichend mit Nahrung versorgt werden, was zu einer Schwächung der Kolonie führt. Werden hier zusätzlich noch direkte Bekämpfungsverfahren durchgeführt, so haben diese eine wesentlich stärkere Wirkung im Vergleich zu Kolonien, in denen die Anzahl der Arbeiterinnen im Vorfeld nicht dezimiert wurde.